NOCH MEHR FLUGLÄRM – UNGEBREMSTES WACHSTUM DES FLUGVERKEHRS IN WIEN
6.05.05 12:11
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Pressekonferenz von Susanne Jerusalem - Die Grünen


NOCH MEHR FLUGLÄRM – UNGEBREMSTES WACHSTUM DES FLUGVERKEHRS IN WIEN

 

Das Mediationsverfahren zum Flughafen Wien steht vor dem Abschluss. Das Ergebnis ist für die betroffenen WienerInnen inakzeptabel: Ungebremstes Wachstum des Flugverkehrs wurde garantiert, die dritte Piste wird errichtet und ein generelles Nachtflugverbot kommt nicht.

 

Lärm – ein großes Problem in Wien

 

Bereits heute ist Lärm eines der größten Probleme von Wien und führt regelmäßig die Negativ-Hitlisten an. Lärm stört nicht nur, auf Dauer macht er auch krank. Lärm vermindert die Lebensqualität der betroffenen Bevölkerung. Je nach Windrichtung können die BewohnerInnen vieler Wiener Bezirke ihre Balkone, Terrassen und Gärten in der schönen Jahreszeit kaum bis nicht nutzen, da im Minutentakt Flugzeuge über sie hinwegdonnern.

 

Fluglärm während der Nacht kann dazu führen, dass Menschen wiederholt aufwachen, was zu einer starken Beeinträchtigung ihrer Leistungsfähigkeit und ständiger Müdigkeit führt. Viele Fluglärmgeschädigte sind daher bereits jetzt verzweifelt. Ein Studie an Münchner Kindern hat ergeben, dass Fluglärm gesundheitliche Schäden hervorruft und zwar selbst dann, wenn die Kinder nicht erwachen. Der Körper produziert mehr Stresshormon Cortisol, was z.B. verhindert, dass am Vortag Gelerntes vom Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis übertritt.

 

Die Wiener Grünen werden der 3. Piste nicht zustimmen. Ein Ausbau des Flughafens am Standort Schwechat ist im Interesse der ohnehin bereits stark lärmbelasteten betroffenen Bevölkerung nicht möglich. Unsere Kritik richtet sich an die Politik, die nicht gewillt ist, dem Ausbau des Flughafens Grenzen zu setzen.

 

Kinder leiden besonders unter Lärm

In der Zeit zwischen 19 Uhr und 23 Uhr befindet sich die überwiegende Mehrheit aller Kinder in der Einschlafphase. Die häufigen Störungen durch den an- und abschwellenden Fluglärm verursachen Stress statt Erholung beim Schlafen. Insbesondere im Landeanflug mit seinem anschwellenden, aggressiven Charakter hat auch Auswirkungen auf die Traumqualität. Führt der Fluglärm zum Aufwachen, ist ein erneutes Einschlafen besonders schwierig. Lärm verursacht eine massive Störung der Nachtruhe und erzeugt permanenten Schlafentzug, eine erhebliche, unnatürliche und langdauernde Erhöhung der Spiegel von Nebennierenhormonen (Adrenalin und Cortisol), und stört den Tagesablauf, insbesondere in Kindergärten und Schulen. Die Folgen sind: Störungen des Immunsystems, Störungen des Magen-Darm-Traktes, Störungen der geistigen Entwicklung und der Schulleistungen, erhöhter Blutdruck

Lernstörung durch Schlafstörung

Fluglärm erzeugt - besonders während der Nachtruhe - erhöhte Konzentrationen des Stresshormons Cortisol. Dies wurde wissenschaftlich nachgewiesen. Frau Dr. Bullinger hat auf Einladung der Grünen im Rahmen einer parlamentarischen Enquete ihre Studie an Münchner Kindern präsentiert. Dabei ist wesentlich, dass die Cortisol-Produktion durch Fluglärm auch dann erhöht wird, wenn der Fluglärm nicht zum Aufwachen führt.

Neue Untersuchungen von Werner Plihal (Göttingen), die unabhängig vom Fluglärm erfolgten, haben nun gezeigt, dass Cortisol einen erheblichen Einfluss auf den Transfer von Informationen vom Kurzzeit- in das Langzeitgedächtnis hat (siehe Literaturübersicht)

Literaturhinweise

Evans, G.W., Bullinger, M, Hygge, S (1998): Chronic noise exposure and physiological Response: A prospective Study of children living under environmental stress. PSYCHOLOGICAL SCIENCE 9: 75-77

Evans, G.W., Hygge, S., Bullinger, M. (1995): Chronic noise and psychological stress. PSYCHOLOGICAL SCIENCE 6: 333-338

Plihal W (1996) Differential effects of early and late nocturnal sleep on the consolidation of declarative and nondeclarative memory. Frankfurt am Main: Peter Lang (157 Seiten)

Plihal W, Born J (1998) Gedächtniskonsolidierung beim Schlafen. Spektrum der Wissenschaften 7: 21-24.

 

Ergebnisse des Mediationsverfahrens

Die geplante 3. Piste soll parallel zur derzeitigen Piste 11/29 im Abstand von 2400 m geführt werden und ermöglicht eine Verdoppelung der Flugbewegungen.

Es wurde eine Verkehrsverteilung vorgenommen, die festlegt wie viel Prozent der Flüge auf welcher Piste landen bzw. starten dürfen. Damit soll ein optimiertes System geschaffen werden, das die Fluglärmbelastung „gerecht“ auf die betroffene Bevölkerung verteilt wird. Das kann beim allerbesten Willen nicht als Erfolg betrachtet werden.

 

Resumee

 

Der Ausbau des Flughafens wird die Lebensqualität der von Fluglärm betroffenen Wiener Bevölkerung stark beeinträchtigen. SPÖ und ÖVP setzen die Gesundheit der Bevölkerung leichtfertig aufs Spiel.

 








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